
Wanderung zur Adolf-Noßberger-Hütte aus dem Blickwinkel der Natur
Bericht von Ingeborg Fiala
Die Wanderung durch das Gradental bietet märchenhafte Überraschungen aus dem Zusammenspiel von Fels und Wasser sowie den damit in den jeweiligen Höhenstufen verbundenen Lebensräumen.
Sie beginnt bei der Gradenalm, die am Morgen noch im Schatten auf der gegenüberliegenden Seite des Gradenbachs liegt. Schon bald beim Anstieg durch einen Wald mit vielen Lärchen weist eine Tafel auf die Grenze zur Kernzone des Nationalparks hin. Gleich daneben stürzt der Gradenbach in einem Wasserfall über die erste Geländestufe. Ein kleines Stück höher wird das Gelände flach. Aufgrund der Undurchlässigkeit der kristallinen Gesteine aus Schiefern und Gneisen für Wasser öffnet sich der Blick auf eine feuchte Landschaft mit romantischen Vernässungen, Tümpeln und den Mäandern des Baches, in der die Kühe weiden – das wunderschöne Gradenmoos.
Der Weg führt zunächst am Rand des Gradenmooses vorbei und dann durch Zwergstrauchheiden sanft hinauf. Es bleibt Zeit, Tiere zu entdecken, etwa einen Grasfrosch oder Murmeltiere. Bevor die Steigung der nächsten Geländestufe zu überwinden ist, zeigt ein Wegweiser die zwei Möglichkeiten, zur Noßberger-Hütte zu gelangen. Dadurch bietet sich die Gelegenheit, Auf- und Abstieg auf unterschiedlichen Routen zu absolvieren.
Auf beiden Wegen – dem Tierleitenweg und dem Noßberger-Weg – wird man von Bächen, Feuchtstellen und Seen begleitet und immer wieder überrascht. Auch von den Hängen links und rechts fließen Bäche, teils über steile Felsen, in den Gradenbach. In das Rauschen des Wassers mischen sich die Rufe und Gesänge von Vögeln sowie das Zirpen der Heuschrecken.
Kaum ist die Steilstufe auf den Serpentinen des Weges überwunden, kann man bereits die Adolf-Noßberger-Hütte erblicken. Auf dem Weg dorthin genießt man Ausblicke auf Seen und Lacken in Türkis- und Blautönen, an deren flachen Ufern Wollgräser wachsen, sowie auf schroffe Berge. Mehr als 20 Dreitausender rahmen das Tal ein. Der Name des Tales leitet sich vermutlich davon ab, dass die Berge das Tal wie die Zinnen einer Burg umgeben. „Grad“ bedeutet im Slawischen Burg.
Bei der Hütte selbst überrascht der Große Gradensee, der unterhalb der Hütte im Kar des Talabschlusses liegt. An seinen Ufern und auf den flacheren Hängen blühen im Hochsommer Zwergseifenkraut und Krainer Greiskraut. Ihre rosa und gelben Blüten leuchten aus dem hellen Gesteinsboden hervor.
Die farbenfroh mit Fähnchen geschmückte Hütte lädt nach den Stunden des Aufstiegs zur Rast ein. Hüttenwirt Christian ist für seine gute Küche bekannt. Während der Rast vor der Hütte genießt man zusätzlich den Blick auf die Bergkette der Goldberggruppe auf der östlichen Seite des Mölltals, wo Hocharn, Hoher Sonnblick und Schareck mit ihren hellen Gletschern beeindrucken.
Die Sitzplätze auf der anderen Seite der Hütte bieten den Blick auf den Kranz der Berge, die das Kar am Talschluss einrahmen, sowie auf das Gradenkees. Über Scharten führen Wege zu den Nachbarhütten.
Ich aber gehe gestärkt und erfrischt zurück zur Gradenalm und genieße am Rückweg alles noch einmal – diesmal jedoch im Licht des Nachmittags.